Samstag, 18. August 2012
das Universum macht was es will...
Ich wollte es wirklich nicht tun! Ich habe es mir verkniffen und das Bedürfnis danach unterdrückt.
Ich hatte geplant einfach mal 2,5 Monate komplett ohne dieses Thema auszukommen, nachdem es mich die letzten Jahre erfüllt und leer gesaugt hat. Aber, wie es immer so ist, das Universum plant anders als wir. Die letzten Tage hat es mich nämlich am Pferdeschwanz gepackt und mich mit dem Gesicht in das Thema herein gedrückt. Daher sehe ich mich gezwungen doch über DAS THEMA zu schreiben: "mein Partner und warum ich Keinen hab"!!!
Meine beiden Mitbewohnerinnen sind mit Italiener zusammen und jeder von euch, der das liest und Marina kennt, weiß genau was ich meine, wenn ich schreibe, dass die Russin unter den Mitbewohnerinnen mir regelmäßig völlig emotionslos, gleichgültig und frei von Mimiken Bericht erstattet, warum italienische Männer die einzig richtige Wahl sind. Sie erklärt mir, dass Italiener echte „Männer“ sind und nicht wie die (entschuldigt bitte meine Wortwahl, aber es sind ihre Worte) „Männer ohne Eier in Nordeuropa, die davon überzeugt sind, dass sie die Lösung sind“.
Bisher habe ich mich auch weiter mit diesem Thema nicht befasst, denn auch wenn der ein oder andere italienische Name mein Herz schon mal springen lassen hat, sind Italiener an sich völlig uninteressant für mich.
Aber gestern ist was phantastisches passiert und zusammen mit dem Wissen, dass ich von meinen Mitbewohnerinnen habe, muss ich meine Einstellung vielleicht ändern. Aber das erzähle ich gleich...
In Deutschland ist es normalerweise so, dass Männer den Schwanz einziehen und davonlaufen, wenn sie hören, was ich beruflich mache. Es sei denn, sie sind bereits vergeben oder verheiratet. In diesen Fällen sind sie für gewöhnlich unglaublich anhänglich, (mir) treu und erklären mir, dass sie nicht verstehen können, dass andere Männer davonlaufen und nicht versuchen mich „für sich zu gewinnen“. Auch diese Wörter kommt nicht von mir. Ihr wärt erstaunt, wieviele Männer diesen Ausdruck benutzen. Die Männer, die das sagen und mir auch beteuert, dass sie es versuchen würden, wenn sie nicht blöderweise vergeben wären, sind in den allermeisten Fällen verheiratet mit einer Hausfrau oder Sachbearbeiterin bei der Deutschen Bank. Klar, es lässt sich leicht über das Bergsteigen reden, wenn man immer nur Strandurlaub macht...
Aus diesen Gründen bin ich in Deutschland darauf umgestiegen, so wenig wie möglich über mein Job zu erzählen. Was an der Reaktion -Schwanz einziehen und davonlaufen, nichts ändert, sondern diese nur heraus zögert.
Wie dem auch sei, hier passiert mir regelmäßig das Gegenteil. Zu Beginn habe ich hier (wie in Deutschland) immer gesagt, dass ich "im Verkauf arbeite". Ich finde nämlich, dass das nicht gelogen ist, sondern eine (wie ich es nenne) „Berater-Wahrheit“. Sehr schnell habe ich aber festgestellt, dass kein Mann davon gelaufen ist, wenn er mehr über meinen Job erfahren hat. Im Gegenteil! Sie machen mir unendlich viele Komplimente, finden es super spannend, wollen mehr hören, mich unbedingt wieder sehen und der Knaller war neulich ein Heiratsantrag, nachdem er erfahren hat, dass ich boxe.
Gut, die Ernsthaftigkeit sei hier mal in Frage gestellt, aber die regelmäßige Reaktion auf mein Hobbie in Deutschland ist ein Augen aufreißen und die Frage „richtig boxen??“ Bis heute weiß ich nicht was „unrichtiges boxen“ ist.
Und jetzt zu dem, was gestern passiert ist. Ich saß in meinem Lieblings-Internetcafé mit der tollen Aussicht auf das Amphitheater und der Stadt, als eine Frau sich zufällig an den Nebentisch gesetzt hat. Nach ein paar Minuten haben wir uns unterhalten, sie hat mir gesagt, dass sie aus dem Norden kommt, 3 Kinder hat und und und.
Dann habe ich etwas von mir erzählt (natürlich nur soviel wie es mein italienisch es zulässt) und plötzlich fing sie an persönlicher zu werden. Ob ich verheiratet wär', einen Freund habe, gerne heiraten würde … Ehe ich die Situation richtig einschätzen konnte hat sie zwei Fotos von ihrem (ehrlicherweise wirklich gutaussehenden) Sohn ausgepackt und mir erklärt, dass er genau MICH sucht (mal im Ernst, das ist doch verrückt, wer hat den heute noch echte Fotos bei sich, wenn er alles im Handy haben kann??). Er wäre Nichtraucher, selbstständig und es wäre kein Problem für sie, wenn er nach Deutschland ziehen würde und, dass sie nicht möchte, dass er eine Italienerin findet und heiratet, weil diese nur heiraten wollen um Zuhause bleiben zu können um dann das Geld des Gatten auszugeben. Seine Meinung zu all dem hat sie allerdings nicht gesagt.
Naja, sie hat mir seine Nummer gegeben und ich möchte ihn doch BITTE anrufen. Ich würde ihr eine riesengroße Freude machen und er freut sich auch!
Ich hab die Nummer eingesteckt und bin Heim gelaufen. Auf dem Heimweg habe ich mir überlegt wie verrückt es wirklich ist diesen gutaussehenden, 33 jährigen Italiener an zu rufen. Immerhin wissen Mütter doch immer was das Beste für ihr Kind ist, oder? Aber meistens tu ich auch nicht was meine Mutter von mir will, was ist, wenn er das unglaublich schrecklich findet und auflegt?? Fast angekommen habe ich beschlossen die Nummer mal zu speichern, um die Sachlage ausgiebig mit meinen in Deutschland sitzenden Freundin über eine WhatsApp-Konferenz auszudiskutieren.
Und, ratet mal,... die Nummer war nicht mehr in meiner Hosentasche... ich habe die Hose fast ausgezogen und nichts in den Taschen finden können. Auch nicht die 5€ die ich dabei hatte...
Naja, auf alle Fälle habe ich beschlossen, dass nichts ohne Grund passiert. Deswegen musste ich euch darüber schreiben. Dann hat das alles immerhin einen neuen Blog-Eintrag gebracht...

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Montag, 13. August 2012
nicht alles was glänzt ist Gold...
Vor einigen Tagen waren wir in der „grotte della poesia“. Was das ist? Wahrscheinlich eines der schönsten Plätze auf dieser Welt. Da muss jeder mal gewesen sein.

Wenn ich "wir" schreibe, dann meine ich einen der beiden Marcos (der andere ist aktuell auf Reise durch Eurpoa dank meiner Planung auch mit Stopp in Frankfurt, Trier und Luxembourg), Massimiliano und eine neue tolle, wunderbare Bekanntschaft, Stephanie. Eine Chemikerin aus England, die nach langer Krankheit und Beendigung ihres Studiums, hier in Lecce ihr Glück gefunden hat. Mit gerade mal 27 Jahren hat sie vor einem Jahr beschlossen, dass England und London sie nicht glücklich machen. Nun ist sie hier, arbeitet als Englischlehrerin in einer Sprachschule und zählt sich zu den glücklichsten Menschen auf der Welt.
Zwischen unseren Sprüngen von Klippen und Erkundigungen von versteckten unterirdischen Grotten hatten Stephanie und ich wunderbare Gespräche über unsere Leben, Freunde, Familie und deren, aber auch unseren Erwartungen an unsere Leben.
Später am Abend, nachdem Marco und Massi uns mit Spaghetti alla Cozze e Vongole bekocht haben, haben wir beschlossen auf das Dach meiner Wohnung zu gehen um den Abend der Sternschnuppen zu genießen.
Während wir in der Dunkelheit lagen, Whitney Housten uns aus meinem Handy ihre Greatest Hits vorgesungen hat und kurz nachdem Stephanie die erste Sternschnuppe ihres Lebens gesehen hat, ging Stephanie und mir plötzlich ein Licht in der der nächtlichen und emotionalen Dunkelheit auf. Ein Hauptgrund warum wir uns hier so wohl fühlen ist, dass die Menschen hier nicht immer nur nörgeln. Sowohl in ihrem, als auch in meinem Land zählt es zu den Hobbies der Menschen sich ständig zu beschweren. Nichts ist gut genug und alles könnte etwas besser sein. Klar ist auch hier nicht alles Gold was glänzt, aber die Menschen sind unter'm Strich froh mit dem was sie haben und was sie machen. Ein weiterer Unterschied zu uns ist aber auch, wenn sie nicht froh sind, tun' sie was dagegen!!
Während wir diese Weisheiten zusammen getragen haben, störte uns Marco plötzlich mit einer Frage, die mich völlig unvorbereitet getroffen hat, obwohl viele von euch sie mir schon gestellt haben, „was machst du, wenn du wieder in Deutschland bist?“
Tia, das ist mal eine gute Frage... in den letzten Wochen habe ich in meinem Kopf schon alle Varianten mal durchgespielt.
Ich bin ausgewandert, bin zurück nach Trier gezogen, doch ganz nach Frankfurt gezogen, dann aber wieder nach Luxembourg, habe gekündigt, habe mein Job wieder weiter gemacht wie bisher, bin auf Halbzeit umgestiegen und zur Uni gegangen und habe auch schon eine ganz andere Karriere angefangen... aber nichts von all dem ist die richtige Lösung. Also was mache ich nun, wenn ich zurück komme???
Naja, ich hab ja noch ein paar Wochen eine Antwort auf diese Frage zu finden...
zur Zeit ist meine wichtigste Aufgabe, alle Eissorten von der Eisdiele gegenüber (Gelateria Tentazione) mindestens ein mal zu probieren. Seit ich hier bin, habe ich täglich mindestens ein Eis gegessen und jeden Tag mit einer neuen Kombination. Ich, ein Mensch, der bisher immer nur Schokolade, Stracciatella, Mint oder Wildbeeren kannte, habe mich hier schon an alle Geschmackssorten -bis auf Kaffee- heran getraut. Zwei Mal die Woche bringt Tentazione, diese beste Eisdiele der Stadt, -die zufällig auch den selben Namen trägt, wie eines meiner lieblings Schuhhersteller- eine neue Eissorte raus und ich gehöre zu den Ersten die diese Sorte probieren. Und soll ich euch mal was sagen? Das müsst ihr auch mal machen. Probiert mal ganz was anderes, als das was ihr immer nehmt. Es ist … wie soll ich sagen... bereichernd, abwechslungsreich, bunt und manchmal auch -im wahrsten Sinne des Wortes- ENTtäuschend. Wie zum Beispiel „latte“ (Milch). In diese Sorte hatte ich mich sehr getäuscht. Bin aber inzwischen enttäuscht und esse sie mindestens ein mal in der Woche. Es ist wie im echten Leben, oder? Vieles was glänzt ist Gold, aber eben nicht alles...

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Montag, 6. August 2012
8 Nationen an einem Tisch...
Erinnert ihr euch noch an den ersten Schultag in der Grundschule nach den Sommerferien?
Wie wir Tage vorher unsere Ranzen gepackt haben? Mama 100 Argumente gebracht haben, warum wir auch in diesem Jahr wieder unbedingt ein neues Mäppchen, brandneue Stifte, die schönen Hefte mit wahlweise Pferdeköpfen oder Motorrädern drauf und -selbstredend- ein neues Hausaufgabenheft brauchen? Ab der Mittelstufe brauchten wir zwar nicht mehr jedes Jahr neue Mäppchen und Stifte und auch die Pferdeköpfe waren jetzt uncool, aber es mussten unbedingt neue Hefte auch immer ein neues Hausaufgabenheft sein. (Zumindest bis zur Oberstufe. Ab da konnte man froh sein, wenn man paar Blätter und ein Stift mit zur Schule genommen hat, wenn man denn mal überhaupt gegangen ist.)
Warum waren die diese Sachen so wichtig? Ich kann euch das beantworten. Zumindest für die weniger guten Schüler/innen -wie ich. Wir haben uns jedes Jahr zum Ende der Ferien das Gleiche vorgenommen: “in diesem Jahr mach ich alles ganz anders als im Vorjahr.“ „Dieses Jahr mache ich immer meine Hausaufgaben und schreibe alles mit was die Lehrer sagen.“ „Ich werde mit Nadine, Conny, Lena, ect. keine Briefchen mehr schreiben. Das geht echt nicht! Das lenkt mich ab.“ „Ich muss in diesem Jahr gute Noten schreiben!“
So oder so ähnlich waren sie doch die Gedanken, oder?! Naja, und um dies umsetzen zu können brauchte man natürlich neue Hefte. Die noch neu und „unbelastet“ vom schlechten Vorjahr waren. Die noch nach „neu“ gerochen haben. Die schönen, chlorfrei gebleichten Seiten haben nur darauf gewartet in einer wunderschönen Handschrift völlig motiviert voll geschrieben zu werden....
aber die Wahrheit war, dass mit dem „neu“-Geruch auch die Motivation täglich etwas mehr verflogen ist. Bald hatte man schon wieder keine Hefte für jedes einzelne Fach, sondern nur noch ein Ringelheft, wo alles rein geschrieben wurde. Auch die Briefchen mit Lena und co.
Wie ich schon wieder darauf komme? ...
Letzte Woche habe ich mir ein Lehrbuch für italienisch gekauft. Ganz stolz bin ich damit zur nächsten Piazza marschiert und habe dort darin geblättert. Und plötzlich kam es mir! Ich brauche ein neues Heft!!
Also bin ich voller Motivation aufgesprungen auf der Suche nach : Bleistiften Radierer, Spitzer, Kulis, Textmarker, einem Wörterbuch und -ganz klar- ein grosses Heft für die Grammatik und ein kleines Heft für die Vokabeln.
So bin ich also seit einer Woche bewaffnet und was passiert mit all dem?
Leute, ich sag euch, es ist ein riesen Unterschied, ob man etwas macht, weil man es WILL, oder ob man es macht, weil man es MUSS.
Ich glaube es selbst noch nicht, aber ich setzte mich tatsächlich täglich hin und lerne 3-4 oder 5 Stunden. Ich schreibe in meine Hefte, lerne meine Vokabel und auch sogar die Grammatik.
Es gibt aber leider noch einen Unterschied zur Schulzeit. Vor 10 Jahren war mein Gehirn noch im Stande Informationen auf zu nehmen! Ich lerne täglich, versuche mir Vokabel mit allen möglichen Eselsbrücken ins Hirn zu prügeln, beschrifte sogar meinen Körper, in der Hoffnung, dass das Wissen so direkt und ohne Umwege in mich rein gesogen wird (kein Witz, ich mach das echt), aber meistens mit eher mäßigem Erfolg.
Jetzt frage ich mich seit Tagen, was passiert erst in weiteren 10 Jahren? Werde ich dann völlig unfähig sein irgendwas auswendig zu lernen? Fange ich dann an alles gelernt wieder zu vergessen? Löscht mein Hirn alle „unnötigen“ Informationen und konzentriert sich nur noch auf Lebenserhaltende Maßnahmen? Wie schrecklich!! Dabei habe ich mir die letzten Wochen so viel vorgenommen.
Vor einigen Tagen ist aber mal wieder ein Wunder passiert. Eine italienisch Lehrerin, Elena, ist für den August in das letzte freie Zimmer in unsere WG gezogen. Das ist fabelhaft und das musste auch gefeiert werden.
Zur Feier des Tages habe ich gekocht und die Jungs (Elena ist eine Freundin von Marco, Marco und Massimiliano), meinen Strand-Retter Daniel und meine Mitbewohnerinnen eingeladen. Und kennt ihr den größten Unterschied zu Einladungen in Deutschland und hier? In Deutschland sagen Gäste kurzfristig ab, hier sagen sie nicht nur kurzfristig zu, sie schleppen auch gleich weitere Leute mit an. So wurden aus ursprünglich acht Gästen plötzlich 16! Unter den 16 Anwesenden waren acht Nationen: 5 Italiener, ein Franzose, ein Serbe, 3 Polen, eine Litauerin, 3 Australierinnen, ein Spanier und ganz klar, eine Deutsch-Iranerin.
Ich glaube viel mehr Nationen sitzen bei den Politiker-Treffen in Brüssel auch nicht an einem Esstisch. Nur mit den wesentlichen Unterschieden, dass wir 1. unglaublich viel Spaß zusammen hatten, 2. sogar der Franzose sich intrigiert, gutes Englisch gesprochen und sein T-Shirt zwar nicht wie die Italiener/Spanier ausgezogen, aber immerhin auf geknöpft hat und 3. wir eine gemeinsame Lösung für den Ablauf des nächsten Tages gefunden haben. Bei uns gab es also echt Erfolge. Echte Lösungen. Tolle Lösungen! Denn der folgende Tag war ein Phantastischer. Wir sind von Klippen gesprungen, mit Fischen geschwommen, haben Höhlen erforscht, sind auf eine Burg gewandert und zum Abschluss gab es für die anderen noch Muscheln zu essen. Aber Muscheln putzen dauert EWIG! Ich war zu hungrig, konnte nicht warten, bin Heim, habe mir vorher schon Nudel gemacht und bin völlig überwältigt von dem Tag eingeschlafen...

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Samstag, 4. August 2012
la doce vita...
ich wollte euch nur mal auf den neusten Stand bringen... ich sitze gerade bei 35°C und Jazz-Musik im Schatten, unter den Schirmen vom Caffè dell'Anfiteatro in Lecce. Direkt vor mir ist das Amphitheater und dahinter die wunderschönen Häuser aus Sandstein. Wenn die Sonne so wie jetzt drauf scheint, erscheint die ganze Stadt eierschalen. Es ist Siesta, daher ist die Stadt wie lahmgelegt. Sogar die Vögel wollen gerade nicht fliegen. Ein sehr schöner, beruhigender Anblick...

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Dienstag, 31. Juli 2012
the perfect Outfit...
Bevor ich meine Reise angetreten habe, hat mir eine meiner Mädels gesagt, dass das tolle an solchen Reisen ist, dass immer jemand daher kommt, der genau das hat, was ich gerade brauchen werde.
Zu dem Zeitpunkt dachte ich, dass dies nur der Fall sein kann, wenn man Sonja C. heißt.
Tia, aber wie es scheint, hatte Sonja Recht.
Bisher kam alles wie gerufen. Gesellschaft, Übernachtungsangebot, Wohnung... und auch das, wie ich mein Wochenende verbracht habe...
Während ich ein kleines Tief hatte, wurde ich zuerst auf ein Tagestrip an den östlichsten Punkt Italiens und dann zu einer Strand-Party am folgenden Tag eingeladen.
Da ich bei meinem letzten Night out gesehen habe wie die Frauen hier ausgehen und ich mir unter den ganzen Models etwas "nonnig" vor kam, wollte ich bei dieser Party auf Nr.-Sicher gehen und war extra einkaufen, um angemessen angezogen zu sein.
Eine Stunde bevor es los gehen sollte, habe ich mich vier mal umgezogen, bis die Entscheidung zu Gunsten eines meiner neuen, kurzen, bunten Kleider und "Highheels" -mit lediglich 5cm Absatz- ausgefallen ist.
Die Absatz"höhe" mag euch jetzt etwas überraschen, aber wie meine italienische Mitbewohnerin so schön sagt, bin ich leider etwas zu groß für dieses Land.
Bevor ich zur Tür raus gegangen bin habe ich mich bei einem letzten Blick in den Spiegel noch einmal persönlich davon überzeugt, dass alles am richtigen Platz sitzt, der Pferdeschwanz schön und mein Lippenstift perfekt aufgetragen ist.
Als mich Elena, Marco, Marco und Massemiliano gesehen haben, reagierten sie so, wie ich es mir gewünscht habe, bevor Marco mich -wie es sich für einen Italiener gehört- mit "Bellissima" angesprochen hat, um mich dann zu fragen, ob ich doch nicht mitkommen wolle???
Erst da ist mir aufgefallen, dass alle in T-Shirt, kurzer Hose und Badezeug gekleidet waren.
Bei all der Aufregung darüber, dass ich auf eine Strand-Party gehe, habe ich leider völlig ignoriert, dass es eine STRAND-party ist. Nicht nur diese Kleinigkeit habe ich ignoriert, sondern auch die Tatsache, dass mir gesagt worden war, dass wir auch dort am Strand schlafen werden.
Also mussten wir Frau "Bellissima" nochmal kurz Heim fahren, wo sie sich in eine kurze Hose, T-Shirt und Flip Flops geschmissen, den Lippenstift aus der Handtasche genommen und "zur Sicherheit" noch ein Handtuch eingepackt hat.
Nach einer Stunde völliger Planlosigkeit und 20-fachem verfahren, sind wir irgendwann am Ziel angekommen und die Party sah genau so aus, was ihr euch sowas vorstellt. Mondschein, 28 Grad, Reggae Musik, Cocktails, entspannte Menschen und -wie es sich gehört- alle barfuß im Sand am tanzen, lachen und feiern.
Es war mir ein Leichtes mich in dieser Truppe zu intigrieren. Innerhalb von 3 Minuten hatte ich ein Cocktail in der Hand, zehn Sekunden später lagen die Flip Flops zusammen mit meinem Handtuch im Sand und ich war bis zu den Knien im Meer. Nochmal weitere 5 Minuten später hatte ich Gesellschaft von 3 sehr gut aussehenden und für Italienische Verhältnisse sogar großen Männern. Über den Abend hinweg änderte sich zwar meine Gesellschaft hin und wieder, aber das änderte nichts an der Qualität.
Kurz vor Monduntergang waren die Jungs und Elena noch eine Runde Baden, bevor wir um ca. 3 Uhr beschlossen haben, schlafen zu gehen.
Nachdem ich abgelehnt hatte im Schlafsack mit einem der Marcos oder Massi zu schlafen, hat mir Daniel (ein sehr netter, freundlicher, hilfsbereiter und ja, auch gut aussehender Spanier -der in Italien lebt) völlig selbstlos angeboten, seine Iso-Matte mit ihm zu teilen, da er der Überzeugung war, dass ich mit meinem Handtuch vor Kälte eingehen werde.
Etwas widerwillig aber durch die Promille fügig gemacht, habe ich das Angebot angenommen und bin zum ersten Mal in meinem Leben Nachts an den Strand zum schlafen gegangen...
Es ist schon Wahnsinn, wenn man so da liegt, die Wellen hört, sich die Sterne am Himmel anguckt ist alles um einen herum wie ausgeschaltet. Es war so ruhig, dass ich nicht mal meinen Tinnitus hören konnte. Das Einzige was mich daran erinnert hat, dass ich nicht völlig alleine bin, war Daniels Atem in meinem Nacken.

Einige Zeit später bin ich vor kälte aufgewacht und die ganze Romantik war vergessen.
Mal im Ernst, wer hätte gedacht, das die 3 Stunden vor Sonnenaufgang so sch... kalt werden kann?!?!
Ich war kurz vor dem Kältetot und musste an meine Mama denken, die mir immer sagt, dass ich eine Nierenentzündung kriege und daran sterben kann, wenn ich mich Nachts nicht dick genug einpacke.
Gott sei Dank konnte ich aber auch dieses Problem lösen, indem ich irgendeine Decke geklaut habe die rumlag.
Nochmal einige Stunden (vielleicht auch nur Minuten) später haben uns die ersten Angler geweckt, die über die schlafende Meute gestiegen sind und über sie gelacht haben.

Nach der morgendlichen Dusche im Meer und einem gemeinsamen Frühstück sind wir wieder zurück nach Lecce gefahren.
Es war ein perfekter Abend/ Morgen am Strand und sogar mein Outfit hat gepasst...

könnt ihr den weißen Turm erkennen? das ist er, der östlichste Punkkt
der im weißen T-Shirt ist Daniel.

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