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Montag, 6. August 2012
8 Nationen an einem Tisch...
sarina1809, 01:30h
Erinnert ihr euch noch an den ersten Schultag in der Grundschule nach den Sommerferien?
Wie wir Tage vorher unsere Ranzen gepackt haben? Mama 100 Argumente gebracht haben, warum wir auch in diesem Jahr wieder unbedingt ein neues Mäppchen, brandneue Stifte, die schönen Hefte mit wahlweise Pferdeköpfen oder Motorrädern drauf und -selbstredend- ein neues Hausaufgabenheft brauchen? Ab der Mittelstufe brauchten wir zwar nicht mehr jedes Jahr neue Mäppchen und Stifte und auch die Pferdeköpfe waren jetzt uncool, aber es mussten unbedingt neue Hefte auch immer ein neues Hausaufgabenheft sein. (Zumindest bis zur Oberstufe. Ab da konnte man froh sein, wenn man paar Blätter und ein Stift mit zur Schule genommen hat, wenn man denn mal überhaupt gegangen ist.)
Warum waren die diese Sachen so wichtig? Ich kann euch das beantworten. Zumindest für die weniger guten Schüler/innen -wie ich. Wir haben uns jedes Jahr zum Ende der Ferien das Gleiche vorgenommen: “in diesem Jahr mach ich alles ganz anders als im Vorjahr.“ „Dieses Jahr mache ich immer meine Hausaufgaben und schreibe alles mit was die Lehrer sagen.“ „Ich werde mit Nadine, Conny, Lena, ect. keine Briefchen mehr schreiben. Das geht echt nicht! Das lenkt mich ab.“ „Ich muss in diesem Jahr gute Noten schreiben!“
So oder so ähnlich waren sie doch die Gedanken, oder?! Naja, und um dies umsetzen zu können brauchte man natürlich neue Hefte. Die noch neu und „unbelastet“ vom schlechten Vorjahr waren. Die noch nach „neu“ gerochen haben. Die schönen, chlorfrei gebleichten Seiten haben nur darauf gewartet in einer wunderschönen Handschrift völlig motiviert voll geschrieben zu werden....
aber die Wahrheit war, dass mit dem „neu“-Geruch auch die Motivation täglich etwas mehr verflogen ist. Bald hatte man schon wieder keine Hefte für jedes einzelne Fach, sondern nur noch ein Ringelheft, wo alles rein geschrieben wurde. Auch die Briefchen mit Lena und co.
Wie ich schon wieder darauf komme? ...
Letzte Woche habe ich mir ein Lehrbuch für italienisch gekauft. Ganz stolz bin ich damit zur nächsten Piazza marschiert und habe dort darin geblättert. Und plötzlich kam es mir! Ich brauche ein neues Heft!!
Also bin ich voller Motivation aufgesprungen auf der Suche nach : Bleistiften Radierer, Spitzer, Kulis, Textmarker, einem Wörterbuch und -ganz klar- ein grosses Heft für die Grammatik und ein kleines Heft für die Vokabeln.
So bin ich also seit einer Woche bewaffnet und was passiert mit all dem?
Leute, ich sag euch, es ist ein riesen Unterschied, ob man etwas macht, weil man es WILL, oder ob man es macht, weil man es MUSS.
Ich glaube es selbst noch nicht, aber ich setzte mich tatsächlich täglich hin und lerne 3-4 oder 5 Stunden. Ich schreibe in meine Hefte, lerne meine Vokabel und auch sogar die Grammatik.
Es gibt aber leider noch einen Unterschied zur Schulzeit. Vor 10 Jahren war mein Gehirn noch im Stande Informationen auf zu nehmen! Ich lerne täglich, versuche mir Vokabel mit allen möglichen Eselsbrücken ins Hirn zu prügeln, beschrifte sogar meinen Körper, in der Hoffnung, dass das Wissen so direkt und ohne Umwege in mich rein gesogen wird (kein Witz, ich mach das echt), aber meistens mit eher mäßigem Erfolg.
Jetzt frage ich mich seit Tagen, was passiert erst in weiteren 10 Jahren? Werde ich dann völlig unfähig sein irgendwas auswendig zu lernen? Fange ich dann an alles gelernt wieder zu vergessen? Löscht mein Hirn alle „unnötigen“ Informationen und konzentriert sich nur noch auf Lebenserhaltende Maßnahmen? Wie schrecklich!! Dabei habe ich mir die letzten Wochen so viel vorgenommen.
Vor einigen Tagen ist aber mal wieder ein Wunder passiert. Eine italienisch Lehrerin, Elena, ist für den August in das letzte freie Zimmer in unsere WG gezogen. Das ist fabelhaft und das musste auch gefeiert werden.
Zur Feier des Tages habe ich gekocht und die Jungs (Elena ist eine Freundin von Marco, Marco und Massimiliano), meinen Strand-Retter Daniel und meine Mitbewohnerinnen eingeladen. Und kennt ihr den größten Unterschied zu Einladungen in Deutschland und hier? In Deutschland sagen Gäste kurzfristig ab, hier sagen sie nicht nur kurzfristig zu, sie schleppen auch gleich weitere Leute mit an. So wurden aus ursprünglich acht Gästen plötzlich 16! Unter den 16 Anwesenden waren acht Nationen: 5 Italiener, ein Franzose, ein Serbe, 3 Polen, eine Litauerin, 3 Australierinnen, ein Spanier und ganz klar, eine Deutsch-Iranerin.
Ich glaube viel mehr Nationen sitzen bei den Politiker-Treffen in Brüssel auch nicht an einem Esstisch. Nur mit den wesentlichen Unterschieden, dass wir 1. unglaublich viel Spaß zusammen hatten, 2. sogar der Franzose sich intrigiert, gutes Englisch gesprochen und sein T-Shirt zwar nicht wie die Italiener/Spanier ausgezogen, aber immerhin auf geknöpft hat und 3. wir eine gemeinsame Lösung für den Ablauf des nächsten Tages gefunden haben. Bei uns gab es also echt Erfolge. Echte Lösungen. Tolle Lösungen! Denn der folgende Tag war ein Phantastischer. Wir sind von Klippen gesprungen, mit Fischen geschwommen, haben Höhlen erforscht, sind auf eine Burg gewandert und zum Abschluss gab es für die anderen noch Muscheln zu essen. Aber Muscheln putzen dauert EWIG! Ich war zu hungrig, konnte nicht warten, bin Heim, habe mir vorher schon Nudel gemacht und bin völlig überwältigt von dem Tag eingeschlafen...

Wie wir Tage vorher unsere Ranzen gepackt haben? Mama 100 Argumente gebracht haben, warum wir auch in diesem Jahr wieder unbedingt ein neues Mäppchen, brandneue Stifte, die schönen Hefte mit wahlweise Pferdeköpfen oder Motorrädern drauf und -selbstredend- ein neues Hausaufgabenheft brauchen? Ab der Mittelstufe brauchten wir zwar nicht mehr jedes Jahr neue Mäppchen und Stifte und auch die Pferdeköpfe waren jetzt uncool, aber es mussten unbedingt neue Hefte auch immer ein neues Hausaufgabenheft sein. (Zumindest bis zur Oberstufe. Ab da konnte man froh sein, wenn man paar Blätter und ein Stift mit zur Schule genommen hat, wenn man denn mal überhaupt gegangen ist.)
Warum waren die diese Sachen so wichtig? Ich kann euch das beantworten. Zumindest für die weniger guten Schüler/innen -wie ich. Wir haben uns jedes Jahr zum Ende der Ferien das Gleiche vorgenommen: “in diesem Jahr mach ich alles ganz anders als im Vorjahr.“ „Dieses Jahr mache ich immer meine Hausaufgaben und schreibe alles mit was die Lehrer sagen.“ „Ich werde mit Nadine, Conny, Lena, ect. keine Briefchen mehr schreiben. Das geht echt nicht! Das lenkt mich ab.“ „Ich muss in diesem Jahr gute Noten schreiben!“
So oder so ähnlich waren sie doch die Gedanken, oder?! Naja, und um dies umsetzen zu können brauchte man natürlich neue Hefte. Die noch neu und „unbelastet“ vom schlechten Vorjahr waren. Die noch nach „neu“ gerochen haben. Die schönen, chlorfrei gebleichten Seiten haben nur darauf gewartet in einer wunderschönen Handschrift völlig motiviert voll geschrieben zu werden....
aber die Wahrheit war, dass mit dem „neu“-Geruch auch die Motivation täglich etwas mehr verflogen ist. Bald hatte man schon wieder keine Hefte für jedes einzelne Fach, sondern nur noch ein Ringelheft, wo alles rein geschrieben wurde. Auch die Briefchen mit Lena und co.
Wie ich schon wieder darauf komme? ...
Letzte Woche habe ich mir ein Lehrbuch für italienisch gekauft. Ganz stolz bin ich damit zur nächsten Piazza marschiert und habe dort darin geblättert. Und plötzlich kam es mir! Ich brauche ein neues Heft!!
Also bin ich voller Motivation aufgesprungen auf der Suche nach : Bleistiften Radierer, Spitzer, Kulis, Textmarker, einem Wörterbuch und -ganz klar- ein grosses Heft für die Grammatik und ein kleines Heft für die Vokabeln.
So bin ich also seit einer Woche bewaffnet und was passiert mit all dem?
Leute, ich sag euch, es ist ein riesen Unterschied, ob man etwas macht, weil man es WILL, oder ob man es macht, weil man es MUSS.
Ich glaube es selbst noch nicht, aber ich setzte mich tatsächlich täglich hin und lerne 3-4 oder 5 Stunden. Ich schreibe in meine Hefte, lerne meine Vokabel und auch sogar die Grammatik.
Es gibt aber leider noch einen Unterschied zur Schulzeit. Vor 10 Jahren war mein Gehirn noch im Stande Informationen auf zu nehmen! Ich lerne täglich, versuche mir Vokabel mit allen möglichen Eselsbrücken ins Hirn zu prügeln, beschrifte sogar meinen Körper, in der Hoffnung, dass das Wissen so direkt und ohne Umwege in mich rein gesogen wird (kein Witz, ich mach das echt), aber meistens mit eher mäßigem Erfolg.
Jetzt frage ich mich seit Tagen, was passiert erst in weiteren 10 Jahren? Werde ich dann völlig unfähig sein irgendwas auswendig zu lernen? Fange ich dann an alles gelernt wieder zu vergessen? Löscht mein Hirn alle „unnötigen“ Informationen und konzentriert sich nur noch auf Lebenserhaltende Maßnahmen? Wie schrecklich!! Dabei habe ich mir die letzten Wochen so viel vorgenommen.
Vor einigen Tagen ist aber mal wieder ein Wunder passiert. Eine italienisch Lehrerin, Elena, ist für den August in das letzte freie Zimmer in unsere WG gezogen. Das ist fabelhaft und das musste auch gefeiert werden.
Zur Feier des Tages habe ich gekocht und die Jungs (Elena ist eine Freundin von Marco, Marco und Massimiliano), meinen Strand-Retter Daniel und meine Mitbewohnerinnen eingeladen. Und kennt ihr den größten Unterschied zu Einladungen in Deutschland und hier? In Deutschland sagen Gäste kurzfristig ab, hier sagen sie nicht nur kurzfristig zu, sie schleppen auch gleich weitere Leute mit an. So wurden aus ursprünglich acht Gästen plötzlich 16! Unter den 16 Anwesenden waren acht Nationen: 5 Italiener, ein Franzose, ein Serbe, 3 Polen, eine Litauerin, 3 Australierinnen, ein Spanier und ganz klar, eine Deutsch-Iranerin.
Ich glaube viel mehr Nationen sitzen bei den Politiker-Treffen in Brüssel auch nicht an einem Esstisch. Nur mit den wesentlichen Unterschieden, dass wir 1. unglaublich viel Spaß zusammen hatten, 2. sogar der Franzose sich intrigiert, gutes Englisch gesprochen und sein T-Shirt zwar nicht wie die Italiener/Spanier ausgezogen, aber immerhin auf geknöpft hat und 3. wir eine gemeinsame Lösung für den Ablauf des nächsten Tages gefunden haben. Bei uns gab es also echt Erfolge. Echte Lösungen. Tolle Lösungen! Denn der folgende Tag war ein Phantastischer. Wir sind von Klippen gesprungen, mit Fischen geschwommen, haben Höhlen erforscht, sind auf eine Burg gewandert und zum Abschluss gab es für die anderen noch Muscheln zu essen. Aber Muscheln putzen dauert EWIG! Ich war zu hungrig, konnte nicht warten, bin Heim, habe mir vorher schon Nudel gemacht und bin völlig überwältigt von dem Tag eingeschlafen...

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